Mein Bruder Rolf

BIOGRAPHIE - Mein Bruder Rolf: Ein Kapitel für sich – in jeder Hin-Sicht!

 

 

 

Natürlich möchte ich auch etwas über ihn erzählen, aber nur jene Dinge, die ich selber mit ihm erlebt habe oder die mir aus direkter Quelle mitgeteilt wurden.

 

 

Zwischen meinem 2 Jahre älteren Bruder Rolf und mir entwickelte sich nach seiner Einschulung eine Art Hassliebe, die wir natürlich auch auslebten, was zum Beispiel irgendwann dazu führte, dass meine Mutter nicht mehr mit uns zusammen in Urlaub fahren konnte, da wir uns u.a. am Strand mit Eisenspaten gegenseitig die Köpfe einschlugen. Oder einmal buddelte er ein tiefes Loch und überredete mich, da rein zu klettern. Als ich dann bis zu den Rippen in dem Loch stand, schüttete er das Loch mit Sand zu und ich kam nicht mehr raus. Selbst meine Mutter hatte Schwierigkeiten, mich da wieder raus zu bekommen – und Schuld hatte natürlich ich, weil ich ja – ihm gegenüber immer noch vertrauensvoll - in das Loch geklettert bin.

 

Rolf war stets das Sorgenkind meiner Mutter. Dies erzählte sie mir erst später und auch den Grund dafür. Er war ihr als Säugling einmal vom Wickeltisch direkt auf dem Kopf gefallen. Deswegen machte sie sich seit dieser Zeit große Vorwürfe und natürlich auch Sorgen, dass er geistigen Schaden genommen haben könnte, da er ja auch nicht gerade verhaltensunauffällig war. Ich glaube, ich war die einzige Person, mit der sie je darüber gesprochen hat.

 

Rolf hatte, solange ich denken kann, den Hang zum Sadismus, sowie auch den Hang zum Inzest, was mir 1988 auch von einem Psychiater bestätigt wurde, worauf ich hier aber nicht näher eingehen möchte, außer dass zwischen uns nie etwas stattgefunden hat, abgesehen von den üblichen Doktorspiele, eben weil ich nicht drauf eingegangen bin. Der letzte Zwischenfall fand sogar noch statt, als er (17/18) schon Vater war. Er bohrte Löcher in eine Zwischentür zu meinem Zimmer und beobachtete mich als 16-Jährige. Aufgefallen ist mir das nur durch Zufall und als ich ihn darauf ansprach, griff er mich an und würgte mich und das nicht gerade sanft. Da ich zu dieser Zeit einen Gipsarm hatte und ihn damit in den Rippen schlug, ließ er von mir ab.

 

Als ich ca. 4-5 Jahre jung war, überredete er mich bewusst, genau in dem Moment als unsere Mutter gerade das Zimmer verlassen hatte, in einem elektrischen Heizofen zu fassen. Ich erinnere mich noch daran, dass die Rückwand abgeschraubt war. Er zeigte mir gezielt die nicht isolierten Kabel oder Spiralen, durch die Strom floss. Nicht wissend, was Strom ist, fasste ich genau die Stelle an, die er mir zeigte und bekam einen fürchterlichen Stromschlag. Als meine Mutter wieder ins Zimmer kam - ich glaube, sie hatte mein Schreien gehört - stritt mein Bruder alles ab und stellte es so hin, als ob ich alleine auf die Idee gekommen sei, da rein zu fassen. Meine Mutter glaubte ihm.

 

Einmal überredete Rolf meine Freundin Petra in die Hundehütte zu gehen. Der verwaiste Hundezwinger mit einer Holzhütte diente uns Kindern oft als Spielplatz. Die Hütte sah aus wie so ein kleines Hexenhaus mit Fensterläden. Auf jeden Fall ging Petra dort hinein und Rolf schloss die Tür hinter ihr ab, sowie auch von außen die Fensterläden. Dann startete er den Benzinrasenmäher und steckte einen Schlauch an den Auspuff und das andere Ende ins Schlüsselloch. Seine Absicht war, Petra zu vergasen. Petra war zu dieser Zeit vielleicht 7 Jahre, Rolf 4 Jahre älter, und weder ihr noch mir fiel vorher auf, was er wirklich vorhatte. Petra bekam Angst, fing an zu weinen und wollte raus. Ich ja ebenfalls anwesend, bemerkte dann doch sehr schnell den Ernst der Lage und holte meine Mutter, die dem Spiel dann auch ein Ende bereitete. Petra und ich waren geschockt und Rolf mächtig stolz auf seine Aktion und ihm ging das, was meine Mutter ihm sagte, in ein Ohr rein und aus dem anderen wieder raus. Soweit ich mich erinnere, hat meine Mutter aber auch nicht so viel gesagt. Schuld waren ja wir, Petra und ich.

 

Einmal versuchten er und sein Freund P. (ein Freund mit Fragezeichen, da Rolf nicht wirkliche Freunde hatte), der auch in unserem Haus wohnte, Petra und mich zu überreden, uns auf eine alte Schulbank, die sie auf einer Schubkarre gestellt hatten, zu setzen und sie würden uns dann damit herumfahren. Das fanden wir natürlich ganz toll und setzten uns dann auch darauf. Was wir jedoch nicht ahnten, ich glaube P. auch nicht, sie schoben die Schubkarre eine Böschung herunter. Gott sei Dank haben wir uns nicht sehr verletzt, denn so eine alte vorkriegszeitliche Schulbank ist schon ganz schön schwer, wenn sie auf einen Kinderkörper fällt.

 

Ein anderes Mal überredete er mich, dass ich mich auf den Rücken legen sollte und er sich dann genau auf meinem Brustkorb stellen würde. Gutgläubig wie ich war, habe ich mich hingelegt... - Leute, ich kann euch nur empfehlen, macht das niemals nach – außer ihr wollt wissen, wie sich Todesangst pur anfühlt!

Solche Dinge hatte er nur drauf.

 

Auch Waffen interessierten ihn sehr. Dadurch habe auch ich sehr früh den Umgang mit Waffen erlernt und konnte auch ganz gut schießen, jedoch mit dem Unterschied, dass ich nicht wie Rolf auf Tiere geschossen habe.

Bomben bauen mit Unkraut Ex oder auch Schwarzpulver herstellen gehörten auch zu seinen Standardprogramm und ich muss gestehen, ich fand das irgendwie auch sehr spannend.

In der Schublade meines Nachtschränkchens befand sich, so lange ich denken kann, Munition von meinem Opa August Steger aus der Zeit vor 1954. An einem Sonntagmorgen kam Rolf an mein Bett, spielte mit den Patronen und versuchte sie zu öffnen. Dann knallte es und ich muss sagen, ich hatte ganz schön Angst und Rolf hatte mal wieder seinen Spaß.

Die Munition, die mein Opa August am Ende des Krieges vor oder von den Amis versteckt bzw. vergraben hatte - meine Mutter hatte uns davon erzählt und die Stelle verraten - haben wir beide allerdings mit sehr großer Freude, Goldgräberstimmung, zusammen ausgegraben. Natürlich erst einmal ohne das Wissen meiner Mutter.

 

1971 fuhr meine Mutter mit uns mit dem Wohnwagen zum Gardasee. Wir nahmen auch die Büroangestellte B. unserer Firma mit. Was meine Mutter zu dieser Zeit noch nicht wusste: sie und Rolf waren liiert. Rolf war 16 und sie schon über 20 und es sollte niemand wissen. Ich wusste schon ziemlich früh davon, u.a. da die beiden mich hin und wieder bis spät nachts ( 2-4 Uhr) mit in eine Diskothek nach Kierspe nahmen – als einkalkulierte Gegenleistung. Auch wussten die beiden von meinem ersten Freund Reiner, was natürlich meine Mutter auch nicht wissen durfte und so beruhte das Ganze auf Gegenseitigkeit. In diesem Urlaub nahmen sie mich dann jeden Tag mit in einen anderen Ort, damit meine Mutter nichts mitbekam. So machten die beiden mich am ersten Tag das erste Mal so richtig besoffen. Mensch, ging es mir übel und kleine Filmrisse hatte ich auch. Als wir dann wieder zurückgingen, war ich soweit wieder in Ordnung und meine Mutter hat nichts bemerkt. Und abends ging es dann weiter, auch alles ohne Wissen meiner Mutter.

 

So ging das dann fast 10-12 Tage. Jeden Tag haben sie mich abgefüllt und ich fühlte mich in der Welt der Erwachsenen aufgenommen, zumal u.a. auch ein reicher Mann mittleren Alters (50+) mir den Hof machte, aber nicht nur er. Ich muss aber dazu sagen, dass ich mit 14 gut und gerne mit 18 durchging. Auch hatte ich im Urlaub eine kleine Liebschaft (na ja, es waren eher drei): Elimar hieß der eine, kam aus Neuwied und natürlich durfte meine Mutter davon auch nichts wissen. Einmal kamen wir nachts zurück, ich hatte vorher Elimar auf der Straße geküsst, was meine Mutter wohl beobachtet hatte und als ich dann ins Vorzelt kam, bekam ich eine dicke Ohrfeige von ihr. Irgendwie sah es lustig aus, weil sie dabei hochsprang.

 

Als ich gegen Ende des Urlaubs nicht mehr mit Rolf und B. den Tag verbringen wollte, haben die beiden mich mit Reiner, Elimar und mit dem Alkohol erpresst. Da sie mich unter Einfluss von Alkohol über Reiner und wie weit wir gegangen waren, ausgefragt hatten und ich ihnen auch alles erzählt hab - außerdem sagen kleine Kinder und Besoffene ja immer die Wahrheit - hatten sie einige Argumente, damit ich weiterhin mit ihnen gehen musste, da meine Mutter immer noch nichts von ihrem Techtelmechtel mitbekommen sollte. Da wurde mir auch erst richtig bewusst, dass ich oder wir meine Mutter die ganze Zeit über alleine gelassen hatten und mir hat diese Einsicht ehrlich gesagt, sehr weh getan. B. und Rolf haben mich zwar die ganze Zeit freigehalten, aber welchen Preis hat meine Mutter dafür bezahlt?! Einsamkeit und im Stich gelassen werden – ihr Lebensthema! Von dem Preis, den ich bezahlt habe, mal ganz abgesehen.

 

Zuhause ging das auch noch eine ganze Zeit weiter. In dieser Zeit kam ich, 14 Jahre, durch sie auch zum ersten Mal mit Pornoheften in Berührung – nicht mit den „normalen“ sondern schon mit besonderen Neigungen. Irgendwann erzählten die beiden mir, dass B. schwanger sei. Bs. Eltern waren übers Wochenende weg gefahren und Rolf hatte dann bei B. übernachtet. B. erzählte mir, dass Rolf ihr die Pille weggenommen hätte, weil er ein Kind von ihr haben wollte. Na ja, im Nachbarhaus war zu dieser Zeit die Apotheke und wer ein Leben auf dem Land kennt weiß, dass untereinander ausgeholfen wird. In Köln nennt man so etwas „kölsche Klüngel“. Die Frage, die ich mir damals gestellt habe, aber ich nicht nur alleine, wie kann sich eine erwachsene Frau gegen ihren Willen von einem gerade mal 17 jährigen Jugendlichen ein Kind machen lassen?! Man sagt ja, dass Mädchen den Jungen im Schnitt um 2 Jahre voraus sind, vor allen Dingen oder gerade während der Pubertät und auch noch eine Zeit lang danach. Von einen 17 jährigen Jungen, der zwar körperlich seinem Alter voraus, aber geistig eher wie ein 15-Jähriger entwickelt war. Ein Junge, der bis kurz vorher noch mit in dem Schlafzimmer und im Ehebett der Mutter geschlafen hat. Auch war er erst im 2. oder 3. Lehrjahr, nicht fähig auf eigenen Füßen zu stehen, geschweige dazu fähig - weder psychisch noch physisch - eine Familie zu ernähren.

Na ja, Rolf galt ja zu dieser Zeit noch als Erbprinz der Firma August Steger.

Dazu muss ich noch kurz Folgendes erwähnen: Was mich bis heute noch stutzig macht ist, dass mir Rolf mit ca. 14 Jahren erzählt hat, dass er zur Untersuchung bei einem Arzt gewesen sei und dieser ihm gesagt hat, dass er niemals Kinder bekommen könnte.

 

Während der Lehre kam Rolf mal mit einer Brandverletzung nach Hause. Der ganze Unterarm und die Hand hatten Verbrennungen 2.-3. Grades erlitten. Angeblich war es ein Unfall mit einem Schweißbrenner. Von seinen Kollegen kam aber die Info, dass es eine Mutprobe gewesen sei und er sich extra mit dem Schweißbrenner verbrannt hat. Wie gestört muss man sein, sich wegen einer Mutprobe extra mit einem Schweißbrenner eine größere Hautfläche so zu verbrennen?

 

Um 1975 hatte meine Mutter einen Freund, den ersten nach der Trennung meines Vaters im Jahr 1961. Als Rolf davon erfuhr, drehte er durch, beschimpfte meine Mutter als Hure, wollte auch auf sie einschlagen, zerschlug dann aber nur die Etagentür ihrer Wohnung, diverse andere Dinge und auch ihr Auto. Die dazu gerufene Polizei machte nichts – halt Streitigkeiten unter Verwandten. Wie Recht sie behalten sollten, denn eine Mutter verzeiht wohl alles.

 

Auch spielte er zu dieser Zeit Chef in der schon vor dem Aus stehenden Firma August Steger. Er saß an der Spritzmaschine und las Praline, St. Pauli Nachrichten und ähnliches, Zeitschriften, die zu dieser Zeit schon sehr freizügig waren, anstatt die gespritzten Teile zu entgraten usw. Montieren sollte ich dann das Endprodukt, aber bitte schön umsonst, da der Verdienst ja für seine Arbeit vorgesehen war.

Mein Vater, zu dieser Zeit nicht mehr in der Firma tätig, doch immer noch sehr bemüht die Firma zu retten, hatte dann einen großen Auftrag an Land ziehen können. Er kannte oder hatte durch Beziehungen den Chef einer großen (Lampen-) Firma aus Lüdenscheid und Konsul von oder in, ich glaube es war Liechtenstein, kennengelernt. Als dieser früher als erwartet zum verabredeten Termin mit meinem Vater kam und mein Vater noch nicht da war, meinte Rolf diesem Mann erzählen zu müssen, wie gearbeitet und eine Firma geführt wird. Da Rolf unsere Stiefoma Elise, die Besitzerin / Zwischenerbin der Firma Steger, im Rücken hatte, meinte er halt, er wäre der Chef. Nach diesem Auftritt zog sich der Mann sofort zurück und meinte anschließend zu meinem Vater, dass eine Zusammenarbeit nur mit meinem Vater als Ansprechpartner zustande käme und nicht mit einem siebzehn-/achtzehnjährigen Schnösel. Und da kam wieder die Stiefoma ins Spiel und die war auf der Seite von Rolf und ebenfalls auch gegen einen Verkauf der Firma, wodurch zuvor schon mal ein vermittelnder Rettungsversuch von Seiten meines Vaters gescheitert war.

Zum Schluss hat Rolf dann haufenweise Maschinen, Werkzeuge usw. schwarz verkauft, so wie ich von meiner Mutter gehört habe, sogar mit Kuckuck drauf und sich das Geld dann selber eingesteckt. Auch Press-/Spritzwerkzeuge wurden von Rolf an P. S., Vetter meiner Mutter aus Hückeswagen und nun Geschäftsmann in Bayern, mit den dazugehörigen Namen der Auftraggeber übergeben, die P. S. dann auch geschäftlich und für sich gewinnbringend einsetzte.

Bei diesem Vetter hielt Rolf sich auch mehrmals eine Zeit lang auf. Dort muss er wohl auch ganz anders gewesen sein, so wie mir der Vetter 1989 erzählte. Als Rolf dann wieder Zuhause war, rief auch einmal/mehrmals eine Frau an und verlangte Rolf und es war ganz offensichtlich, dass sie nichts von B. und dem Kind wusste. B. war ganz schön sauer.

Na ja, irgendwie konnte ich Rolf verstehen. Wer will schon auf Dauer eine ständig angetrunkene Frau neben sich haben.

 

In den paar Monaten, wo Rolf Chef spielte, hatte er die Schulden verdoppelt und die Firma wurde im Prinzip für kleines Geld versteigert. Meine Mutter musste einen Offenbarungseid leisten, da sie mit ihrem eigenen Vermögen gebürgt hatte, das heißt u.a. auch, dass sie mit zwei Häusern, die mein Unterhalt von meinem Vater waren und nie auf meinem Namen umgeschrieben wurden, gebürgt hatte. Diese Häuser wurden dann auch mit versteigert.

 

So zogen wir alle, nachdem meine Mutter den Versteigerungstermin für Haus und Firma zugestellt bekommen hatte, nach und nach aus unserem Zuhause, dem "Haus vor dem Isern", aus.

Ich zog mit meinem 1. Mann nach Gogarten, meine Mutter nach Klaswipper und Rolf mit Frau, Sohn und Stiefoma zogen innerhalb Rönsahls um.

 

Eines Tages, es war ein Montag, der 12.07.1976 müsste es gewesen sein, da rief meine Mutter mich auf der Arbeit an und erzählte mir, dass Rolf seit Sonntagnachmittag verschwunden sei. Dann rief auch B. mich mehrmals „hochachtungsvoll“ an. Sie heulte wegen Rolf, schimpfte aber auch gleichzeitig sehr über ihn. Sie sprach immer vom Rönsahler Wasserturm, dass er bestimmt dort oben liegen würde. Auch hoffte sie, dass er dort oben läge und verreckt wäre. Immer im Wechsel, aber immer mit dem Ergebnis, dass Rolf tot sei bzw. hoffentlich tot sei.

Um 13 Uhr hatte ich Feierabend und K.-H., mein erster Mann, holte mich ab und wir fuhren zu meiner Mutter nach Klaswipper.

Dann fuhren K.-H. und ich zum Wasserturm, suchten erst außerhalb der Absperrung und dann kletterten wir durch das Loch im Zaun um auf den Turm, eher ein Erdhügel, zu kommen. Oben angekommen, sahen wir erst nichts, bis es mich irgendwie nach hinten zog. Als ich dann hinter mir die Bäume oder Tannen beiseite schob, sah ich Rolf dort liegen und sagte es direkt K.-H., der mich sofort weg zog und selber nachschaute. Wir gingen allerdings nicht zu Rolf, sondern fuhren so schnell wie möglich nach Klaswipper und riefen von dort die 112 an. Ich verabredete mit ihnen, dass ich an der Straße stehen und mitfahren würde, um ihnen den Weg und Ort zu zeigen. Man/frau muss echt gute Nerven haben um vorne im Rettungswagen mitzufahren.

Auf dem Weg kurz vor dem Wasserturm sahen wir schon von Weitem, dass B. mit H. und M., 2 ihrer Freundinnen, aus der Richtung Wasserturm kamen. Dort angekommen und nach kurzem Nachfragen meinten sie, dass sie Rolf nicht gesehen hätten und taten ganz erstaunt. Ich musste dann dem Arzt zeigen, wo genau Rolf genau lag. B. durfte nicht mit dahin, da wir erst auf die Kripo und deren Spurensicherung warten mussten, zumal Rolf äußere Verletzungen hatte, die aber wohl von Tieren, die schon an ihm gefressen hatten, herrührten und sich auch schon schwarze Flecken bildeten, was bei einem Leichnam nach 12 Stunden (Todeszeitpunkt ca. 2 Uhr) in der Hitze liegen nicht verwunderlich war.

Meine Schwägerin, die stark alkoholisiert war, heulte, lallte, schimpfte und torkelte und die Sanitäter setzten sie dann erst einmal in den Eingangsbereich des Rettungswagen, da sie jeden Moment damit rechneten, dass sie bald umfallen würde, zumal es an diesem Tag auch noch sehr heiß war und sich jeder vorstellen kann, wie Alkohol und pralle Sonne sich auf Kopf und Körper auswirken.

Irgendwann tauchten dann zwei Kripobeamte, Frau und Mann, auf. Sie befragten bzw. verhörten mich u.a., warum ich ausgerechnet dort nach meinem Bruder gesucht hätte usw. Auch versuchten sie meine Schwägerin zu befragen, was sich aber aufgrund ihres sehr stark alkoholisierten Zustandes als sehr schwierig erwies. Sie brachen den Versuch daher ab. Zu mir gewandt meinten sie, dass ich dafür sorgen sollte, dass meine Schwägerin am nächsten Tag nüchtern wäre, damit sie dann mit ihr reden könnten. Gott sei Dank war sie das auch, soweit ich es damals beurteilen konnte. Mir war das damals mit 19 Jahren äußerst peinlich!

Die Kripobeamten benahmen sich „unter aller Würde“. Beide verheimlichten ihre gegenseitige Anmache nicht. Sie z.B. saß ihm auch mehrmals so einladend gegenüber, dass er ihr am Beinrand des Slips vorbei „in den siebten Himmel“ - der sich unter ihrem Rock befand – schauen konnte – aber nicht nur er, sondern zufällig ich auch. Dies, sowie auch ihre private Unterhaltung, aber auch die bezüglich der körperlichen Untersuchung am „Tatort“ war für mich als Schwester und für eine Frau (meine Schwägerin), egal ob betrunken oder nüchtern, die ihren Mann gerade verloren hatte, in keinster Weise angemessen, sondern einfach nur unverschämt und taktlos.

Es dauerte sehr lange, bis Rolf dann endlich von Herrn Strombach, Bestatter aus Rönsahl, weggebracht wurde und ich zu meiner Mutter zurück fahren konnte um ihr dann zu sagen, dass Rolf tot sei – sie hatte zu diesem Zeitpunkt immer noch gehofft, dass er lebt. Es muss die Hölle für sie gewesen sein, doch hat sie stets in meiner Gegenwart nur sehr wenige Tränen verloren.

 

So nach und nach stellte sich nach Bs. Erzählungen heraus, dass Rolf samstags auf dem jährlichen Scheunenfest der Landjugend auf dem Löh war und dort auch ziemlich getrunken hatte. Dann waren B. und Rolf am Sonntag bei Bs. Freundin H. zuhause und hatten mit Freundinnen ( auch vom Wasserturm) und Rolf eine Unterhaltung. Von dort ist er dann alleine nach Hause gegangen, hat mit P. S., dem Vetter meiner Mutter, telefoniert, u.a. auch gefragt, was ein Flug nach München kosten würde. Danach muss er wohl Richtung Wasserturm gegangen sein, da ihn noch jemand auf dem Kerspeweg mit einem dicken Blazer, obwohl es sehr heiß war, gesehen hatte. Ich bin mir jetzt nicht mehr sicher, ob ihn nicht noch jemand Richtung Wasserturm hat gehen sehen. Danach gab es offiziell keine weiteren Lebenszeichen mehr von ihm.

Meine Schwägerin und Rolf hatten sonntags ausgemacht, dass sie montags oder die kommende Woche zum Anwalt gehen wollten um sich scheiden zu lassen.

 

Da dies natürlich in der Zeitung gestanden hatte, meldete sich eine Familie aus Ohl. Sie waren sehr betroffen über Rolfs Tod. Sie erzählten, dass ihre Tochter und Rolf zusammen gingen (so nannte man das damals) und er auch bei den Eltern sehr beliebt gewesen war. Dass er verheiratet war und ein Kind hatte, wusste niemand von ihnen.

 

Zu dieser Zeit habe ich auch erfahren, dass er einmal, um seinen kleinen Sohn zu betrafen, mit ihm in den Keller gegangen ist und dann seinen Gürtel ausgezogen hat um ihn damit zu schlagen. In den Keller ist er deswegen gegangen, damit die Nachbarn das Schreien nicht mitbekamen.

Ich erfuhr auch, dass Rolf seinem Schäferhund Blut zu trinken gegeben hat, damit er böse/scharf wurde.

 

Ich hatte dann noch eine ganze Zeit (bis 1981) Kontakt zu meiner Exschwägerin, zumal ich meinen kleinen Neffen über alles liebte. Doch als sie dann von ihrem neuen Mann schwanger war und nach wie vor oft und viel trank, brach ich den Kontakt zu ihnen ab.

Es war für mich zu dieser Zeit einfach nur widerlich (sie rief regelmäßig bei mir alkoholisiert an, wenn ihr Mann abends arbeiten musste), was sie dem kleinen Geschöpf unter ihrem Herzen mit dem Trinken antat, aber auch, wie sie im alkoholisierten Zustand von ihm sprach. Sie würde das Kind jetzt schon hassen, nur P. (mein Neffe) wäre ihr wahres Kind und sie würde das ungeborene Kind, wenn es auf der Welt wäre, auch schlagen - obwohl es angeblich ein Wunschkind war. Mein Neffe stand in solchen Momenten vor dem Wohnzimmerschrank, stieß mit seinen kleinen Kopf immer wieder davor und weinte... Dies hatte ich auch schon beobachtet, wenn er bei meiner Mutter war.

Auch hetzte sie in diesem Zustand sehr gegen meine Mutter. Unter anderem wolle meine Mutter ja nichts von ihrem Enkel wissen und er wäre ihr lästig und der Kleine würde jedes Mal darunter leiden, wenn meine Mutter Verabredungen absagte. Meine Exschwägerin wusste genau, dass meine Mutter an Krebs erkrankt war und es ihr, noch gelinde ausgedrückt, miserabel ging. Aber davon wollte sie nichts wissen. Zu dieser Zeit war der Körper meiner Mam schon vom Krebs total vereinnahmt, was meine Exschwägerin jedoch nicht wahrnahm.

Dazu kam noch, dass sie eine ungeheuerlichen Lüge über mich erzählte, auf die ich hier aber nicht näher eingehen möchte.

 

Mit P. meinen Neffe, habe ich 2008 erst wieder den ersten Kontakt gehabt.

 

Woran mein Bruder gestorben ist, ob Herzversagen oder Selbstmord, weiß ich bis heute nicht.

 

...und trotz allem liebe ich ihn - vermisse ich ihn.

 

 

 

(Nachtrag 2016: Nach jetzt fast 40 Jahren habe ich in diesem Jahr sehr viele Informationen zum Tod meines Bruders aus einer sehr verlässlichen Quelle erhalten. Sehr viele bis fast alle Ungereimtheiten haben sich dadurch für mich wie ein Puzzle neu zusammen gesetzt.

Meine Ex-Schwägerin und wahrscheinlich eine ihrer Freundinnen werden dieses Geheimnis mit in ihrem Grab nehmen!)

 

 

Jutta Vormann

 

...und all die vielen Namen die ich sonst noch habe und hatte

Alle Angaben ohne Gewähr - Mein Weg für Gaia... © 2013 • All Rights Reserved